So wie wir auf der einen Seite eine nachhaltige Landwirtschaft als Lebens- und Rohstoffgrundlage brauchen, so ist es auf der anderen Seite unabdingbar, dass wir ständig unsere menschlichen Fähigkeiten, also Kultur entwickeln. Die Wirtschaft hat der menschlichen Entwicklung zu dienen und nicht der Mensch einer sich immer mehr aufblasenden Finanzmacht.
Ohne Kultur gleitet jede Wirtschaft in den reinen Materialismus, in die Barbarei ab und zerstört am Ende sich selbst und damit alles Leben. Darum sollte es im ureigensten Interesse der Wirtschaft liegen breit eine kreative Kultur zu fördern.
Bildung, Musik, Schauspiel, Poesie, Literatur, Religion usw. kosten zwar viel Geld, sie sind aber die Nahrung für kreative Menschen, die unsere Wirtschaft dringend braucht, um aus ihrem selbstzerstörerischen Krieg der Konkurrenzkämpfe, der Zentralisierung und der Spekulationsexzesse herauszuwachsen. Nicht mehr materielle Quantität, sondern mehr kulturelle Qualität braucht ein zukunftsfähiges Wirtschaftsleben.
Natur hat „an sich“ keinen ökonomischen Wert. Ebenso haben Ideen (Geist) und Fähigkeiten „an sich“ keinen ökonomischen Wert. Erst, wenn ich durch meine Arbeit die Ideenwelt (Geist) mit den physischen Dingen (Natur) zusammenbringe, kann eine ökonomische Wertschöpfung entstehen. Eine reale Wertschöpfung kann also nur zwischen diesen beiden Polen „Natur und Geist“ stattfinden.
Zwischen diesen beiden Polen „Natur und Geist“ haben wir heute eine noch nie da gewesene aufgeblasene Ökonomie mit gigantischen Warenströmen. Die beiden Grundlagen „Natur und Geist (menschliche Kreativität)“ werden dabei aber immer mehr wegrationalisiert. Zuneh-mend werden die natürlichen Lebensprozesse durch Chemie und die menschliche Kreativität durch rein rationelle Computer ersetzt.
Wer kümmert sich aber um die Entwicklung der Natur einerseits und die geistigen Entwicklungsmöglichkeiten des Menschen andererseits? Unseren öffentlichen Vertretern muss hier ein vernichtendes Urteil ausgesprochen werden. Sie machen das Gegenteil von dem was nun geboten ist. Sie wollen weiter das todbringende Wirtschaftswachstum. Bei Krisen wird die Wirtschaft sogar noch auf Kosten der Steuerzahler unterstützt und dafür streicht man kurzerhand die Mittel im Kultur- und Bildungsbereich (Geist) sowie im Naturschutzbereich.
Dabei müsste gerade jetzt eine Kulturbelebung zur Rettung von Natur und Menschheit einsetzen. Jedes Kind könnte z.B. in der Schule wieder das Gärtnern, Musizieren, Handwerken, Kunst und Sozialentwicklung lernen. Aber genau diese Fächer werden durch unsere Politiker ständig weiter aus den Stundenplänen gestrichen. Bis der Staat aber die Vormundschaft über die Bildung und Kultur abgibt, bleibt uns nichts anderes übrig, als Bildung und Kultur selbst in die Hände zu nehmen.
Um von den manipulierenden und süchtig machenden Medien wegzukommen, können wir uns z.B. gegenseitig zum Lesen guter Bücher anregen. Als Mitbringsel bei einem Besuch würde, statt einer Flasche Wein, ein stimulierendes Buch die Freundschaft viel nachhaltiger fördern.
Bei der Kulturentwicklung sollte es immer wieder um „Kreativität“ und nicht um Kultur-„Konsum“ gehen. Jeder kann für sich selbst unendlich viel Entwicklungsarbeit leisten. Aber auch untereinander können wir uns enorm weiterbilden und kultivieren. In unserem Haus organisieren wir z.B. Lesekreise, Gesprächsrunden, Vorträge und Seminare zu ökologischen, sozialen, ökonomischen, spirituellen und künstlerischen Themen. Jeder kann etwas beitragen, aber auch sehr viel mitnehmen. Besonders wichtig ist uns, dass ganz neue Brücken zwischen Kultur und Landwirtschaft geschlagen werden. Viel tiefere und damit fruchtbarere Freundschaften entwickeln sich durch gemeinsame Kulturaktivitäten.
Jedes Dorf und jedes Stadtquartier könnte, wenn wir nur wollten, eine Volkshochschule, einen Chor, ein Orchester, eine Umweltgruppe usw. etablieren.
Wie das Kultur- und Bildungswesen auch im großen Stil für eine Kulturbelebung finanziert werden könnte, erfahren wir im zweiten Teil des Buches unter: Vom Schuld-Geldsystem zum Schenk-Geldsystem.
Alte Gedanken- und Gesellschaftsformen, die uns die Probleme von heute beschert haben, sind ungeeignet eine bessere Zukunft zu gestalten. Wir brauchen nun mehr und mehr „freie“ Individuen, die ernsthaft meditieren, um uns mit heute noch unbekannten Ideen aus der geistigen Welt zu versorgen. Von diesen selbstlos meditativ erworbenen Intuitionskräften hängt unsere Zukunft ab. (selbstbezogene Wohlfühlmeditationen lassen uns eher zurückfallen.) Die geistigen und sozialen Entwicklungspotentiale der Menschen sind unbegrenzt! (Im Gegensatz zur heutigen materiellen Entwicklung).
Aus: „Jeder kann die Zukunft mitgestalten“ von Uwe Burka (LINK)