Der sozialdemokratische Bürgermeister von Wörgl bei Innsbruck in Tirol, Michael Unterguggenberger, war während der großen Weltwirtschaftskrise konfrontiert mit hoher Arbeitslosigkeit und großer Not in seiner Gemeinde. Um die soziale Not in Wörgl zu bekämpfen, konzipierte er Juli 1932 ein kommunales „Nothilfe-Programm“:

„Langsamer Geldumlauf ist die Hauptursache der bestehenden Wirtschaftslähmung. Jede Geldstauung bewirkt Warenstauung und Arbeitslosigkeit. Das träge umlaufende Geld der Nationalbank muss im Bereich der Gemeinde Wörgl durch ein Umlaufsmittel ersetzt werden, welches seiner Bestimmung als Tauschmittel besser nachkommen wird als das übliche Geld.“

Um die lokale Wirtschaft wieder aufwärts zu bringen, sollte die Gemeinde eigenes Geld in Form sog. „Arbeitswertbestätigungen“ herausgeben.

Die Gemeinde betrieb also so etwas wie eine keynesianische Beschäftigungspolitik mit einem besser zirkulierenden Geld, wobei sie die Umlaufgebühr obendrein für soziale Zwecke verwendete.

Während die Arbeitslosigkeit in Österreich weiter anstieg, sank sie im Bereich der Gemeinde Wörgl binnen eines Jahres um 25 %. Von Beginn an erregte das Wörgler Freigeldexperiment Aufmerksamkeit in der Presse und auch bei Politikern und Wissenschaftlern.

Das Wörgler Freigeldexperiment erregte jedoch nicht nur Aufsehen, sondern auch den Unmut der Österreichischen Nationalbank, die in der Ausgabe von Arbeitswertbestätigungen einen Verstoß gegen ihr Banknotenprivileg sah und schon frühzeitig auf ein Verbot der ganzen Aktion hinarbeitete. Mitte September 1933 musste die Gemeinde Wörgl deshalb ihr kommunales Ersatzgeld wieder einziehen. (https://www.inwo.de/das-wunder-von-woergl/)

 

 

 

Die Ereignisse in Wörgl wurden 2018 verfilmt. Der Film zeigt deutlich auf, dass es möglich ist, anders zu wirtschaften – wenn man nur will. Das aktuelle Zeitgeschehen sollte uns endlich dazu ermutigen, uns aufzuraffen um die Ursachen allen Übels zu bekämpfen. Wir können es selbst tun, wir brauchen dazu keine Obrigkeiten. Die Not wird uns letztlich dazu zwingen, doch könnten wir es auch schon vorher tun – um die Not zu verhindern.

Zitate aus dem Film:

  • „Du mußt selbst die Veränderung sein, die du in der Welt sehen willst.“
  • „Seit wann sind wir per Du?“ – „Seitdem du WIR gesagt hast!“
  • „Es sieht aus wie Geld, sie benützen es wie Geld, also ist es nichts anderes.“ „Das ist nicht so einfach, Geld ist eine hochkomplexe Angelegenheit!“
  • „Wir müssen ganz neue Ideen zulassen und vor allem müssen wir es miteinander machen und nicht gegeneinander“
  • „Geld ist kein Rohstoff, keine Naturgewalt, Geld ist eine Erfindung, eine Abmachung, auf die wir uns alle eingelassen haben, sonst gar nichts. Und es wäre ein fataler Fehler zu sagen, es gibt keine Alternative. Wir in Wörgl haben bewiesen, dass das nicht stimmt.“

Das Experiment wurde aus der Not geboren und hat bewiesen, dass es den Menschen hilft. Trotzdem wurde es mit staatlicher Gewalt abgebrochen. Aber wer ist der Staat? Wurde er nicht gewählt, unsere Interessen zu vertreten?

Heute sind wir in der Entwicklung weiter fortgeschritten. Rationalisierungen und industrielle Produktionen haben dazu geführt, dass wir alles im Überfluß haben. Wir pruduzieren beispielsweise ca. 1,4 mal soviel Nahrungsmittel, wie wir für unsere Ernährung brauchen. Folglich haben wir keinen Mangel, sondern wir haben ein Verteilungsproblem. Daran ist das Geld beteiligt! Und wir könnten es uns leisten, Geld neu zu denken.

Geld hat im Wirtschaftsleben gar keinen Wert. nur der Mensch, der was arbeitet, also etwas tut. Jeder, der etwas tut, bekommt Geld, damit er es denen gibt, die auch was tun und sich kaufen können, was sie zum Leben brauchen. Jeder tut was. die Kinder versorgen, die alte Mutter pflegen, die Blumen gießen, Gedichte schreiben oder tolle Artikel, gute Ideen spinnen, Bilder malen, singen, Möbel bauen, Brot backen… Wenn also jeder was tut und damit bekommt was er braucht – warum bekommt nicht einfach zuerst jeder was er braucht, damit er tun kann, was er kann und will? Und wozu ist dann das Geld? Es ist nicht nötig, wertlos und macht Krieg und verdirbt die Seele der Menschen.