(Geschrieben für die Zeit vom 29. September 2020 bis 31. Dezember 2022.)

Von Vor dem Sturm oder die »Dreigliederung des sozialen Organismus«.

Einschub der Blog-Betreiberin: Diesen offenen Brief von Herrn Schnurre fand ich jetzt erst, am 13.3.2021. ich bin sehr dankbar für diesen Brief und hätte gern früher von ihn gewußt. Nun, besser spät als nie. Ich bitte alle Menschen, die das hier verstehen, diesen Brief zu verbreiten und umzusetzen mit allen Kräften, die ein jeder hat. Es folgt noch ein 2. offener Brief mit Hintergründen und mit einem Lösungsansatz, den ich noch überarbeiten muß (vom Format her, nicht vom Inhalt!), um ihn in diesen Blog zu stellen. Unten angefügt der Link für jene, die ihn sofort lesen möchten. Ich hatte das Glück, von Herrn Schnurre  persönlich die Erlaubnis zur Veröffentlichung beider Briefe erhalten zu haben. So viele Menschen wissen nichts von ihm. Das muß sich ändern.

Das Jahr 1989 hat eine besondere Bedeutung für Deutschland; aber nicht nur für Deutschland. Es ist das Jahr in dem ein zerrissenes Volk in Mitteleuropa beginnt auf relativ friedlichem Wege wieder zu einander zu finden.

Schauen wir von diesem Zeitpunkt 72 Jahre zurück, so erblicken wir das Jahr 1917. – Schauen wir von 1989 dreißig Jahre nach vorn, so erreichen wir das Jahr 2019. – Erinnern wir uns, wie im vergangenen Jahr 2019 viele 100-Jahr-Feiern stattfanden. – Man blickte zurück auf das Jahr 1919, auf die außerordentlichen Bemühungen Rudolf Steiners und seiner Mitstreiter, die »Dreigliederung des sozialen Organismus« in Deutschland zu verwirklichen.

Wir wissen, dass das erste Bemühen von 1917, mit Memoranden an die Kaiserhäuser Deutschlands und Österreich, ‚von oben herab‘ nicht ermöglicht wurde. 1919, nach der Revolution, wurde der Weg ‚von unten‘, auf demokratischem Wege die Verwirklichung der »Dreigliederung des sozialen Organismus« gesucht. Aber auch dieser Weg scheiterte am politischen Widerstand aller reaktionären Kräfte, sowohl der Linken, als der Rechten und denen der Mitte.

Wir kennen den 72-Jahre-Rhythmus. Wir kennen auch den 33-Jahre-Rhythmus. Wir wissen, dass dieser Rhythmus seit dem Mysterium von Golgatha in der Menschheit wirkt. Er setzt sich in gewisser Weise zusammen aus den 30 Jahren des Jesus-Lebens und den drei Christus-Jahren, von der Jordan-Taufe bis zum Karfreitag auf Golgatha, dem 3. April im Jahre 33 unserer Zeitrechnung. Dieser 33-Jahre-Rhythmus ist ein Auferstehungs-Rhythmus. Das heißt, dass das, was Menschengruppen oder gar ganze Völker in bestimmten Zeiten wollten, zum Beispiel 1989 das Volk der Deutschen sich friedlich vereinigten, dass dieser kraftvolle Willensimpuls 33 Jahre später, 2022 aufersteht.

Wir gedachten in Deutschland 2019 dieser relativ friedlichen ‚Revolution‘ zum 30ten Mal. 2019 gab es zugleich zahlreiche 100-Jahr-Feiern zur »Dreigliederung des sozialen Organismus« 1919 und zur Eröffnung der ersten Freien Waldorfschule im September 1919. (Der 100-Jahre-Zyklus ist zugleich ein dreimaliger 33 (1/3) Jahre-Rhythmus.) – Dies sind alles rückwärts gewandte Impulse.*

Wie fügt sich nun der vorwärts gewandte Impuls dort hinzu?

Um diese Frage genauer beantworten zu können, müssen wir nochmals kurz zurückschauen. – 21 Jahre vor 1989 begann die sogenannte (19)68er ‚Revolte‘. Die junge Generation, (meine Generation), wollte neue soziale Wege beschreiten und grundlegende gesellschaftliche Veränderungen herbeiführen. – Der aller größte Teil der jungen Generation wusste nichts von einer »Dreigliederung des sozialen Organismus«. (Ich gehörte dazu.) Es fehlte schon damals der Anthroposophischen Gesellschaft die notwendige geistige Stoßkraft, um Antworten zu den brennenden sozialen Fragen der Zusammenarbeit auf dem sozialen Felde in die Weltöffentlichkeit zu stellen. – In diesen 21 Jahren zwischen 1968 – 1989 hätte die Weltöffentlichkeit konkret erfahren sollen, was die »Dreigliederung eines sozialen Organismus« ist. – Dann wären wir 1989 vorbereitet gewesen. –

Woran liegt es, dass die breite Weltöffentlichkeit bis heute so wenig Ahnung von der »Dreigliederung des sozialen Organismus« hat?

Es erscheint dasselbe Problem, das schon 1919 zu bemerken war. – Es ist das Desinteresse unter uns Anthroposophen an der brennenden sozialen Frage. Das Desinteresse der meisten Anthroposophen gegenüber der »Dreigliederung des sozialen Organismus« ist eine schwere Hypothek, die wir der Anthroposophischen Gesellschaft aufbürden. Dieses Desinteresse ist ein großes Versäumnis der gesamten Menschheit gegenüber. Eine Hauptursache sehe ich in der ständig zunehmenden Verbürgerlichung der Anthroposophischen Gesellschaft, der in großen Teilen die brennende soziale Frage keine Frage war und bis heute auch nicht ist.

Und jeder Anthroposoph und jede Anthroposophin kann sich ehrlich selber fragen: Was habe ich selbst unternommen zur Heilung der brennenden sozialen Frage? Was habe ich getan, um „Die Kernpunkte der sozialen Frage in den Lebensnotwendigkeiten der Gegenwart und Zukunft“ von Rudolf Steiner wirklich zu verinnerlichen und vor allem dann hinauszutragen in die Weltöffentlichkeit, besonders zu den Menschen, die bisher gar nichts von der »Dreigliederung eines sozialen Organismus« wissen? –

Die meisten von uns müssen antworten: Hat mich nicht interessiert und ich habe keine Ahnung was in den »Kernpunkten« steht. Zusammengefasst:Die erste Möglichkeit die »Dreigliederung des sozialen Organismus« zu verwirklichen, im Jahre 1917 (+ 72 Jahre) / 1919 (+ 70 Jahre) scheiterte. – Die zweite Möglichkeit haben wir in Deutschland 1989 gründlich verschlafen. – Die dritte Möglichkeit ergibt sich nun 33 Jahre später. Dies ist die kurze Zeit bis zum 31. Dezember 2022.

Wir sollten nicht auch noch die letzte Möglichkeit für Mitteleuropa verstreichen lassen. – Es wird keine vierte Möglichkeit für Mitteleuropa mehr geben. Es ist wirklich, wirklich ernst.

Es geht um das Bestehen einer Prüfung der Anthroposophischen Gesellschaft und das heißt konkret um die Prüfung eines jeden von uns. Was geschehen wird, wenn die »Dreigliederung des sozialen Organismus« nicht von Mitteleuropa verwirklicht wird, denn hier erhielte sie die „Christus gemäße Gestalt“, beschreibt Rudolf Steiner am 25. Dezember 1920, also am ersten Weihnachtsfeiertag 2020 vor 100 Jahren. (Die erste Prophezeiung, die er dort ausspricht traf 19 Jahre später ein, die zweite ist – noch – offen, weil noch nicht entschieden.)

Es liegt an uns, an jedem Menschen, in welche Richtung die Menschheit steuern wird.

Es ist ernst. Es ist ein sehr bedeutender historischer Augenblick.„Es ist an der Zeit“ für die »Dreigliederung des sozialen Organismus« mit aller Kraft einzutreten, jede an ihrem und jeder an seinem Ort und sich mit allen brüderlich, ehrlich und wahrhaftig zu verbinden, die sich für die »Dreigliederung des sozialen Organismus« einsetzen.Wir müssten für die kurze Zeit Vieles, Vieles zurückstellen, als freiwilliges Opfer, um uns für diese kurze Zeitspanne ganz und gar dieser Menschheitsaufgabe jetzt, ohne Verzug, zu widmen. Es ist an der Zeit zusammenzuarbeiten.*

Die Jahre 1989 (200 Jahre Französische Revolution) bis 2019 waren die 30 ‚Jesus-Jahre‘. Jetzt folgen die drei ‚Christus-Jahre‘: 2020, 2021, 2022. – Diese kurze Zeit bildet die dritte Möglichkeit, die letzte Möglichkeit aus Mitteleuropa heraus den Impuls der »Dreigliederung des sozialen Organismus« in die Weltöffentlichkeit zu stellen. – Wenn die Menschheit bis dahin wissen wird, was die »Dreigliederung des sozialen Organismus« ist und werden kann, dann hätten wir im letzten Augenblick unsere Aufgabe ergriffen. – Es ist an der Zeit unvoreingenommen zusammenzuarbeiten, über alle Grenzen hinweg. – Es fordert die Zeit, nicht ein einzelner Mensch. Prüfen Sie bitte sich und die Zeitverhältnisse. Sie allein »diktieren« diese Zeilen.

Rainer Schnurre

29. September 2020

http://alternativ3gliedern.com/resources/aktuell/Offener%20Brief%20zum%2029.%20September%202020.pdf

2. Offener Brief:

http://alternativ3gliedern.com/resources/aktuell/Offener%20Brief%20(2).pdf